Der alte und der neue Alltag

Auf der Idee „Alltag raus – Auszeit rein“ haben wir ursprünglich unsere Reise aufgebaut. Unser Ziel war es auszubrechen, aus der täglichen Routine, dem ständigen Hetzen von A nach B, den starren Regeln des Joballtags und auch aus dem Konsumleben. Wir wollten unser Leben endlich nach unseren Vorstellungen gestalten und uns nicht an die Vorgaben anderer halten müssen.

Die ersten 2 – 3 Wochen waren dann auch sehr aufregend. Alles neu, alles fremd, alles abenteuerlich. Wir hatten viel zu organisieren und zu managen. Ich hatte das Gefühl, als ob ich die Welt verändern könnte. Jede noch so kleine Herausforderung gab mir einen Push nach vorne und mit jeder gemeisterten Aufgabe bin ich gewachsen.

Jetzt sind wir gut 2 Monate in Sydney. Wir haben uns auch schon ganz gut eingelebt. Nachdem wir die ersten 3 Wochen bei einem Freund übernachten konnten, haben wir danach eine wirklich tolle Wohnung gefunden – mit Blick aufs Meer 🙂

Um ein wenig mobil zu sein, haben wir uns Fahrräder zugelegt, Second-Hand natürlich. Ich besuche von Montag bis Freitag eine Sprachschule. Nach dem Unterricht geht es mit dem Bus nach Hause, wo ich dann das Dinner selbst zubereite, da es hier eindeutig günstiger ist, selbst zu kochen. Die Hausaufgaben müssen dann auch gemacht werden und ein wenig Vokabellernen schadet auch nicht. Ach ja, Lauftraining gibts auch jeden zweiten Tag, denn das Sydneyrunningfestival kommt auch viel zu schnell näher.

*BOOOOM*

Auf einmal wurde mir klar, dass wir wieder in einem Alltag stecken. Auf der anderen Seite der Welt.

Der Gedanke, dass uns wieder der Alltag – auch wenn es ein anderer ist als vor einem Jahr – eingeholt hat, lies mich nicht mehr los. Fragen über Fragen häuften sich jetzt: Was nun? Habe ich etwas falsch gemacht? Kann ich dem Alltag überhaupt entfliehen?

Ich saß gerade im Bus von Central Sydney nach North Sydney, während mir all diese Fragen durch den Kopf gingen. Es war ein wunderschöner Tag, viel zu warm für diese Jahreszeit. Der Bus überquerte gerade die Harbour Bridge. Ich blickte rechts aus dem Fenster und sah das Wahrzeichen der Stadt, die Oper von Sydney. Ich blickte nach links und sah ein Segelboot wie es gerade Goat Island passierte. Von diesem Moment an, waren alle Zweifel vergessen. Ich realisierte, dass ich in meiner Traumstadt lebte und genau das tat, was ich mir so lange herbeigesehnt hatte.

Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber ich möchte mit niemanden auf dieser Welt tauschen. Ja, wir haben auch hier wieder einen Alltag und ja, auch hier läutet der Wecker um 6:45 Uhr, aber ich fühle mich viel freier, beschwingter, glücklicher, erfolgreicher an jedem einzelnen Tag.

Man sagt immer so schön: „Lebe jeden Tag, als ob es dein letzter wäre“.

Aber wer kann wirklich von sich behaupten, dass er das macht?

Ich glaube, ich kann von mir sagen, ich bin verdammt nah dran! 🙂

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